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Diskussion über Wasserwirtschaft und Umweltpolitik
Vertreter von CDU, VKU und AZV Südholstein besprechen aktuelle Abwasser-Themen


(Hetlingen, 12. Dec 2018).

Der Umgang mit Mikroschadstoffen im Abwasser, Finanzierungsfragen und eine zukunftsgerechte Klärschlammverwertung: Aktuelle Themen der Abwasserwirtschaft diskutierten am Dienstag der vergangenen Woche schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete der CDU, Vertreter des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) und die Geschäftsleitung des Abwasser-Zweckverbands (AZV) Südholstein im Klärwerk Hetlingen. Der AZV Südholstein nutzte das Forum zur Platzierung eines wichtigen Anliegens: Der Verband mit dem größten Klärwerk in Schleswig-Holstein setzt sich aktiv gegen vermeidbare Verunreinigungen des Abwassers ein. Dafür hatten die Verbandsmitglieder gerade am Vortag eine Resolution zur Eindämmung des Eintrags von Mikroplastik und Medikamentenresten unterzeichnet.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen zukunftsgerechte und gangbare Lösungen für aktuelle Herausforderungen der Abwasserentsorger. Um eine zuverlässige Abwasserreinigung zu vertretbaren Kosten sicherzustellen, sind entsprechende umweltpolitische Rahmenbedingungen erforderlich. So sind beispielweise in den vergangenen Jahren die Auswirkungen kleinster Schad- und Spurenstoffe stärker in den Fokus gerückt. Dazu zählen etwa Mikroplastik, Medikamentenreste, Spuren weiterer Chemikalien und auch multiresistente Keime, wie sie alltäglich in Haushalten, Betrieben oder medizinischen Einrichtungen in den Abwasserstrom gelangen. „Mittlerweile treibt es die Leute um, wie sich Verunreinigungen des Abwassers auf die Umwelt auswirken. Deutlich sichtbar wurde das, als im Frühjahr eine große Menge an Plastikteilen über eine Kläranlage in die Schlei gelangte“, so Astrid Damerow, Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen Nord sowie wasserpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Sie besuchte den AZV Südholstein gemeinsam mit Dr. Michael von Abercron, Bundestagsabgeordneter für den Kreis Pinneberg. Ein Teil der Lösung können zusätzliche Reinigungsstufen für Kläranlagen sein. Diese können jedoch nicht alle Stoffe eliminieren. Außerdem sind hierzu noch viele praktische Fragen zu klären, nicht zuletzt die Finanzierung.

„Die neu hinzukommenden Kosten 1:1 auf die Abwassergebühren umzulegen, ist den Bürgern schwer zuzumuten, zumal die Reform der Abwasserabgabe ohnehin für steigende Kosten sorgt. Wir brauchen dazu Fördermöglichkeiten und alternative Finanzierungsmodelle“, sagt Volker Hatje, Vorsitzender der Verbandsversammlung des AZV Südholstein. Klar ist aber auch: „Selbst mit modernster Technik bekommt man in Kläranlagen nicht alles raus!“, so eine Sprecherin vom Verband kommunaler Unternehmen. Um den Eintrag von Schad- und Spurenstoffen in die aquatische Umwelt einzudämmen, sind gesamtgesellschaftliche Anstrengungen notwendig – Kläranlagen sind schließlich nicht der einzige Eintragspfad. Dazu stellte der AZV Südholstein den Gästen seine Aktivitäten vor – von der Teilnahme an einem wissenschaftlichen Monitoring-Programm über die Mitgliedschaft in verbandspolitischen Dialogformaten bis hin zu Umweltbildungsangeboten für die Öffentlichkeit.

Auch Energieeffizienz und -erzeugung beschäftigten die Runde: Kläranlagen benötigen viel Strom, können aber auch eigenständig Energie erzeugen, indem Gas aus Klärschlamm gewonnen und verstromt wird. Im Klärwerk Hetlingen konnten so im laufenden Jahr fast 90 Prozent des Energieverbrauchs für den Anlagenbetrieb gedeckt werden. Allerdings muss Strom aus Eigenerzeugung und für Eigenverbrauch seit 2017 versteuert werden, was vorher nicht der Fall war. Das hängt damit zusammen, dass aus technischen Gründen immer auch etwas Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird und die Kläranlagen dadurch jetzt als Versorger eingestuft werden. „In Kombination mit weiteren Faktoren ist das eine zusätzliche Kostenbelastung. Wir hoffen dazu auf eine schnelle politische Lösung. Denn eigentlich ist die Eigenstromerzeugung ja nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch vorteilhaft“, berichtet Christine Mesek, Verbandsvorsteherin des AZV Südholstein.

Vorgestellt wurde auch das neue Konzept des AZV Südholstein zur Klärschlammentsorgung. Im Klärwerk Hetlingen fallen pro Jahr rund 50.000 Tonnen entwässerten Klärschlamms an. Ab 2027 sollen sie durch eine öffentlich-rechtliche Kooperation mit den Stadtwerken Lübeck und mit Hamburg Wasser in einer neuen Linie der Hamburger Klärschlammverbrennungsanlage VERA verwertet werden. Die notwendigen Beschlüsse werden in diesen Tagen gefasst.


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  • Der Schutz des Wassers ist ein Thema für die ganze Gesellschaft: Am 3. Dezember verabschiedete die Verbandsversammlung des AZV Südholstein eine Resolution gegen vermeidbare Verunreinigungen des Abwassers.
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  • Gruppenfoto vor Besichtigung des Klärwerks Hetlingen am 4. Dezember: Dr. Michael von Abercron (MdB für Pinneberg), Nadine Steinbach (Verband kommunaler Unternehmen), Astrid Damerow (MdB für Nordfriesland/Dithmarschen Nord), Christine Mesek (Verbandsvorsteherin AZV Südholstein) und Astrid Stepanek (Verband kommunaler Unternehmen). ©AZV Südholstein

    Gruppenfoto vor Besichtigung des Klärwerks Hetlingen am 4. Dezember: Dr. Michael von Abercron (MdB für Pinneberg), Nadine Steinbach (Verband kommunaler Unternehmen), Astrid Damerow (MdB für Nordfriesland/Dithmarschen Nord), Christine Mesek (Verbandsvorsteherin AZV Südholstein) und Astrid Stepanek (Verband kommunaler Unternehmen). ©AZV Südholstein
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