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Unterirdische Lebensadern für den Umweltschutz
Zum Tag der Umwelt: Wissenswertes über das regionale Kanalnetz


(Hetlingen, 3. Juni 2016). 

Es ist mehrere hundert Kilometer lang. Sein Durchmesser reicht von 6,5 Zentimetern an den schmalsten Stellen bis zu stolzen 2,20 Metern an der breitesten Stelle. Wie ein riesiges Adersystem durchziehen seine Rohre ein rund 800 Quadratkilometer großes Gebiet und vereinigen sich schließlich zu einer einzigen, großen Leitung: Das regionale Abwassernetz verbindet über 40 Städte und Gemeinden in Südholstein. Unauffällig unter der Erde verborgen, leistet es einen wichtigen Dienst für Menschen und Umwelt. Der Tag der Umwelt steht in diesem Jahr unter dem Motto „Stadt. Land. Leben. – Umwelt macht Zukunft“: Grund genug, die Kanäle zum 5. Juni einmal an die Oberfläche zu holen.

Rund 120 Liter Wasser, etwa eine Badewanne voll, benutzt jeder Mensch in Deutschland pro Tag fürs Waschen, Putzen, Duschen oder für die Toilettenspülung. Das Ergebnis: Mensch, Wäsche und Haus sind sauber, das Wasser aber ist verschmutzt. Zur Reinigung muss es ins Klärwerk. Die Voraussetzung dafür: funktionierende Abwasserkanäle! Durch das regionale Leitungsnetz fließt das Abwasser aus dem Kreis Pinneberg, aus Teilen der Kreis Segeberg und Steinburg sowie aus den nordwestlichen Stadtteilen von Hamburg bis zum Klärwerk Hetlingen, das vom azv Südholstein betrieben wird. In seinem Einzugsgebiet kommen von knapp einer halben Million Einwohner sowie aus Industrie und Gewerbe täglich rund 80.000 Kubikmeter Schmutzwasser zusammen – mehr als eine halbe Million Badewannenfüllungen.

Der Anlass für den Bau des weit verzweigten Netzes waren Umweltprobleme, die in den 1960er Jahren sehr deutlich zu Tage traten: Damals floss ein Großteil der Siedlungsabwässer ungeklärt in die Flüsse der Region und verwandelte sie in stinkende Kloaken. Im Jahr 1965 schlossen sich 29 Kommunen der Region zusammen und gründeten den damaligen „Zweckverband Hauptsammler West“, den heutigen Abwasser-Zweckverband Pinneberg – der azv Südholstein ist seit 2009 dessen Kommunalunternehmen. Mit vereinten Kräften sollten die Flüsse Krückau, Pinnau und Wedeler Au endlich wieder zu lebendigen Gewässern gemacht werden. Die erste Ausbaustufe des Sammlerkanals und des zentralen Klärwerks in Hetlingen wurden 1973 in Betrieb genommen. Unter gemeinsamer Anstrengung konnte das Problem seitdem Schritt für Schritt bewältigt werden, so dass die Gewässer inzwischen in einem vergleichsweise guten Zustand sind.

Heute liegt die größte Herausforderung darin, das Kanalsystem zu erhalten und zukunftsgerecht auszubauen. Jährlich investiert der azv Südholstein mehrere Millionen Euro in den Erhalt und Ausbau des Netzes. Neben dem knapp 160 Kilometer langen, mehrarmigen Abwassersammler betreut der azv Südholstein seit 2009 auch Ortskanalisationen in 16 Städten und Gemeinden. In diesem Rahmen kümmert sich der azv Südholstein auch um drei kleinere Kläranlagen in Lentföhrden, Helgoland und Glückstadt und übernimmt zudem die Verwaltung der Stadtentwässerung Glückstadt und des Abwasserverbands Elbmarsch. Rechnet man alle Netze mit ein, betreut das Kommunalunternehmen mehr als 600 Kanalkilometer – das entspricht in etwa der Luftlinie zwischen Hamburg und München. Zu den Netzen gehören fast 800 Pumpwerke, darunter Kleinpumpwerke, die das Wasser weniger Haushalte weiterleiten, aber auch Großpumpwerke, die die Abwassermengen ganzer Städte in das Sammlernetz oder innerhalb des Sammlernetzes befördern. Schmutzwasser und Niederschlagswasser werden möglichst getrennt beseitigt: Im Gegensatz zum Schmutzwasser, das grundsätzlich ins Klärwerk gehört, kann das Regenwasser vielerorts in Gräben oder Mulden abgeleitet werden, sofern die baulichen Voraussetzungen, sprich, zwei voneinander getrennte Netze existieren.

Für die Instandhaltung der Anlagen greift die Arbeit von vielen Mitarbeitern des azv Südholstein ineinander: Sie kümmern sich um die Pumpwerke, die Maschinen- und Elektrotechnik, prüfen die Schächte und sorgen für eine regelmäßige Reinigung der Kanäle. Im Notfall sind außerdem Mitarbeiter im Sondereinsatz: Wenn eine Pumpe streikt oder ein Rohr bricht, rücken sie aus, um den Schaden zu beheben – egal, ob es stürmt oder regnet und ob gerade Hochsommer oder Heiligabend ist. Oftmals müssen dann Verstopfungen beseitigt werden: Diese entstehen zum Beispiel durch Abfälle, die über die Toilette entsorgt werden und im Kanal und in den Pumpen verklumpen. Jeder kann dazu beitragen, die Störungen auf ein Minimum zu reduzieren: keine Feuchttücher, Essensreste oder sonstigen Müll über die Toilette entsorgen!

Auch Baustellen können eine Maßnahme für den Umweltschutz sein: Zahlreiche Mitarbeiter des azv Südholstein sind für die Sanierung und den Ausbau der Kanäle im Einsatz. Zunächst müssen die Leitungen regelmäßig überprüft werden: Dafür wird eine Spezialkamera durch die Schächte in den Kanal herabgelassen. Damit wird geprüft, ob die Rohre Undichtigkeiten durch Schadstellen wie Risse, Einbrüche oder eingewachsenes Wurzelwerk aufweisen. Aufgrund der Kamerabilder wird dann entschieden, wo Kanäle repariert oder erneuert werden müssen: Undichtigkeiten müssen so bald wie möglich behoben werden. Bei der Sanierung achten die Ingenieure jedoch nicht nur auf den baulichen Zustand, sondern planen auch für die Zukunft: Mit im Blick haben sie Parameter wie die Bevölkerungsentwicklung, den Rückgang der Frischwasserverbräuche oder den Klimawandel.

Mit dem Erhalt und der Weiterentwicklung des regionalen Kanalnetzes leistet der azv Südholstein im Auftrag der Städte und Gemeinden einen wichtigen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt: Funktionstüchtige Abwasserkanäle ermöglichen einen modernen, hygienischen Lebensstil in einer sauberen Umgebung – heute und in Zukunft.

Links:
Mehr Info zum Kanalnetz
Baustellenradar
Infomaterial - Flyer "Die Toilette ist kein Mülleimer"


  • Hier wird das Wasser weiterbefördert: Ein Mitarbeiter des azv Südholstein im Pumpwerk Moorrege. ©azv Südholstein/Keller
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  • Mithilfe des Spülwagens werden Kanäle gereinigt: Das größte Fahrzeug beim azv Südholstein ist circa zehn Meter lang, fast vier Meter hoch und hat ein Fassungsvermögen von knapp 14 Kubikmetern. ©azv Südholstein/Eckert
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  • Das Bild der Spezialkamera bringt Schäden ans Licht: Hier ist eine Wurzel in den Kanal eingewachsen. ©Werner Vollert Tiefbau GmbH & Co. KG
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  • Das Sammlernetz des azv Südholstein ist knapp 160 Kilometer lang. Die Transportleitung nimmt das Wasser aus den Ortskanalisationen auf und befördert es zum Klärwerk Hetlingen. ©azv Südholstein
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